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DER KIRSCHGARTEN (2018)

Düsseldorf-Flingern: Willkommen im Zentrum der Gentrifizierung! Hier spielte 2018 unsere Version von Tschechows „Der Kirschgarten“. Mit dieser Textvorlage, in der es um einen Grundstücksverkauf und die Vertreibung der dort Ansässigen geht, und den ca. 30 Antworten auf unserem Fragebogen, spannten wir den Bogen über die Hausbesetzungen der 1980er Jahre in Düsseldorf bis in unsere Gegenwart: Wer braucht welchen Raum? Welche Orte möchten wir bewahren? Wann ist die Kritik am Umbau bloße Nostalgie? Welche anderen Möglichkeiten und Ideen gibt es?

„Der Kirschgarten“ fand vom 18. bis 20. Oktober 2018 auf der Kiefernstraße in Düsseldorf statt.

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Hören: Punk Waltz

EINE LEIDENSCHAFTLICHE REDE FÜRS KOLLEKTIV

(...) Am besten gefällt mir hier aber der Kinderclub, der Club der Freiheit. Da können wir machen was wir wollen. Außer ärgern. Oder Steine auf Fenster werfen. Oder streiten. Wir streiten ziemlich oft, weil die Warja will immer alles haben, und dann ist ihr echt nicht zu helfen und ich hab kein Geld und meine Eltern hatten noch nie welches und sind trotzdem immer arbeiten, und der Anton schreit dann, das seine morgens nie ausm Bett kommen und dass wir ihn falsch verstehen, er sei Punk. Und dann sagen wir immer, wenn wir erwachsen sind, hören wir auch auf zu streiten. Weltfrieden ist wichtig.

Die Menschen sind hier im Kopf andersartig, aber alle sind anders als die Norm. Die Alten haben vorgelegt und machen weiter, sind weiter aktiv. Hier ist einfach alles ineinander geschmolzen, wir sind alle Kirschgarten! Save the Kirschgarten! Und immer ist irgendwo Musik an. (...)

DER KIRSCHGARTEN

ist ein Theater-Projekt der Regisseurin Marlin de Haan in Zusammenarbeit mit der Medienkünstlerin Parisa Karimi und dem Bühnenbildner Jan Patrick Brandt und im Austausch mit vielen weiteren.
Premiere: Oktober 2018.
Unsere Partner sind das FFT und das zakk in Düsseldorf.

Der Kirschgarten in Anton Tschechows gleichnamigem Theaterstück soll verkauft, in Parzellen unterteilt und dann gewinnbringend weiter verkauft werden. Ausgehend von der Hausbesetzer-Szene in Düsseldorf in den 80er-Jahren, beschäftigen wir uns anhand dieses Theatertextes mit unseren eigenen, heutigen „Kirschgärten“. Welche Orte sind uns wichtig und weshalb? Welche Möglichkeiten haben wir, uns Raum zu bewahren oder zu verschaffen?

Wir würden uns freuen, wenn Du uns diese Fragen beantwortest, denn Deine Meinung, persönlichen Orte und Anliegen sollen Teil unseres Theaterstücks sein:

1. Welche Orte müssen Deiner Meinung nach unbedingt bewahrt werden und wofür?

2. Hast Du schon mal einen Ort besetzt?

2a. Wenn ja, welchen und wofür? Wie hast Du das gemacht?

2b. Wenn nein: Wie würdest Du Räume, Orte oder Plätze für Dich einfordern?

3. Was ist Dir derzeit ein wichtiges Anliegen in Bezug auf die Stadt, in der Du lebst? Wie würde der „Slogan“ lauten, wenn Du ein Banner dazu aus Deinem Fenster hängen oder ein Plakat auf einer Demo hochhalten würdest?

Bitte bis zum 29. August 2018 zurücksenden an: kirschgarten2018@gmail.com

DANKE!



EINE LEIDENSCHAFTLICHE REDE EINES SCHEINBAR MISSVERSTANDENEN

(...) Es wird ein Anlass geschaffen, um den man sich streitet, immer im vollen Bewusstsein, dass Leiden oder Hoffnungen gar nicht mehr zu haben sind. Diese Welt ist von vornherein auf null und jeder weiß es, und alle Leute befassen sich mit einem Scheinproblem, beispielsweise dem des Kirschgartens. Alle wollen bezahlbaren Wohnraum, gehen aber für jede geplante Holzhütte auf die Barrikaden, so dass die Planungssicherheit leidet und wir Investoren deshalb total abgeschreckt sind. Ich bin doch kein kalter Kapitalist! (...)

Montano Asset Management GmbH
Lenbachplatz 5
80333 München

Kurfürstendamm
5910707 Berlin

info@montano.eu

Düsseldorf, 18. Oktober 2018

Sehr geehrte Herren der Montano Asset Management GmbH, sehr geehrte Herren Schöberl und Rabeian,

wir realisieren gerade das Theaterprojekt „Der Kirschgarten“ nach Anton Cechov auf der Kiefernstraße in Düsseldorf Flingern. Wir wissen, dass Sie von dem, was Sie tun, absolut überzeugt sind. Wir auch. Sie kaufen und verkaufen Immobilien und sonstige Dienstleistungen im Zusammenhang mit Immobilien. Wir beschäftigen uns künstlerisch mit Orten, die (für Menschen) von Bedeutung sind. Im Stück „Der Kirschgarten“ fragen sich die Besitzerinnen, wer das Grundstück gekauft hat: Wer ist Eigentümer des halben B8-Parkplatzes und Drösser, Erkrather Straße? Welche Perspektiven werden sich für diesen Stadtraum eröffnen?

UNSER INTERESSE AN EINER ANTWORT IHRERSEITS IST DRINGLICH UND VON KÜNSTLERISCHER NATUR!

"Ich habe den Kirschgarten so geliebt, ich dachte schon, es gäbe auf der Erde keinen schöneren Platz als unseren Garten. Ich will nur wissen, ist das Gut verkauft oder nicht. Helfen Sie mir, Petja. Sagen Sie doch irgend etwas, irgendwas. Verkauft. An wen.”*
Erinnern Sie sich an Ihr Versprechen? „Like a good mountain guide, we help our clients to navigate risks and skillfully lead them to their desired destination.“
Sie sind herzlich zu einer der drei Vorstellungen eingeladen.

Es grüßt Sie
das Team vom „Kirschgarten“

„Der Kirschgarten“
am 18./19. und 20. Oktober 2018 jeweils um 19 und 20 Uhr
Ein Theaterprojekt von Marlin de Haan und vielen anderen
https://fft-duesseldorf.de/stueck/der-kirschgarten-4/

*Zitat aus dem Stück



EINE LEIDENSCHAFTLICHE REDE FÜR EINE BESONDERE ZEIT

(...) Das waren vielschichtige Lebenserfahrungen, extrem schöne, und ja, auch schlimme Erlebnisse, politische Aktionen und gemeinsame Reisen, auch mal Schiss haben, wenn’s stürmt und so’n Scheiss, aber vor allem: viel Zuneigung untereinander, soziale Verbundenheit, einen Hang zu rigorosen Konsequenzen beim Schutz von selbstorganisierter, aufrichtiger Toleranzkultur, gemeinsame Projekte, gemeinsames Experimentieren. – Tendenziell eine SEHR SEHR SEHR WERTVOLLE, WUNDERBARE, STARK PRÄGENDE ZEIT. Du weinst? Mein lieber, guter Mensch, mein trefflicher Mensch, ich liebe dich ... Der Kirschgarten ist verkauft, ist hin, das ist wahr – aber weine darum nicht: komm ... wir gehen von hier fort! Wir wollen einen neuen Kirschgarten pflanzen, der noch schöner sein wird, als dieser da! (...)

RHEINISCHE POST, 20. OKTOBER 2018

(...) Die Texte beruhen auf Interviews, die de Haan und ihr Team mit rund 30 Düsseldorfern gemacht haben. Gerade deswegen ist das Stück von einer eindringlichen Aktualität geprägt. Und trotzdem verliert es nie den Bezug zu Tschechov. (…) Einen Eindruck davon, wie diese neue, investorengesteuerte Stadt aussieht, bekommen die Zuschauer im wunderbaren Finale des Stücks. Durch einen langen, dunklen und mit Bäumen gesäumten Weg führen die drei Performer in ihren Plüschkostümen die Zuschauer. Der Ausgang des Weges gibt den Blick frei auf einen unwirtlichen Parkplatz, das überall auf der Welt gleiche Gebäude einer amerikanischen Hamburgerkette und den Zweckbau eine Fitnesscenters. So idyllisch die Szenerie der Wagenburg war, so brutal endet das Stück in der Realität einer durchkommerzialisierten Stadt ohne Seele. (...)

Zum Artikel

BESETZUNG:

Ein Theaterprojekt von Marlin de Haan (Regie, Text und Konzept) in Zusammenarbeit mit Charlotte von Bausznern (Dramaturgie, Text, Twitter), Laura Biewald (Produktionsassistenz, Video-Support), Jan Patrick Brandt (Bühne, Kostüm), Simon Brinkmann (Musik), Friederike Haug (Video-Support), Tobias Hoffknecht (Grafik), Parisa Karimi (Video, Animation, Live-Mapping), Sophie Killer (Performance), Malte Lehmann (technische Projektleitung), Daniel Paulmann (Tonmischung Video), Santiago Quintero (Videotechnik-Support), Saskia Rudat (Performance), Ivo Schneider (Performance), Anton Tschechow und zahlreichen Düsseldorfer Akteur*innen. Besonderen Dank an die Bewohner*innen der Kiefernstraße für die Unterstützung, das K4 Kulturbureau, die K9, K8, K23, K25, den Bauwagenplatz Kiefernstraße und den Kinderclub.

Projektpartner: K4 Kulturbureau, Bauwagenplatz Kiefernstraße, Kinderclub Kiefernstraße Koproduktion: FFT Düsseldorf; Kooperation: zakk – Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation, Düsseldorf; gefördert durch: Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, Fonds Darstellende Künste e.V., Stiftung van Meeteren.

Fotodokumentation: Christian Ahlborn; Filmdokumentation: Cecilia Gläsker-Venn